Hunter S. Thompson
Gonzo Generation
Das Beste der Gonzo Papers
Aus dem Amerikanischen
von Teja Schwaner
WILHELM HEYNE VERLAG
MÜNCHEN
Die im Sammelband enthaltenen Texte entstammen folgenden Bänden:
Die große Haifischjagd: © 1979 The Great Shark Hunt
»Befremdliche Töne in Aztlan« (»Strange Rumblings in Aztlan«) by Hunter S. Thompson, copyright © 1971 by Hunter S. Thompson; originally published in Rolling Stone magazine.
»Ein lockerer Amerikaner in einer Schmugglerhöhle« (»A Footloose American in a Smugglers’ Den«) by Hunter S. Thompson; reprinted by permission of The National Observer, © Dow Jones & Company, Inc. 1962; all rights reserved.
»Warum dem Gringo südlich der Grenze oft der Wind ins Gesicht bläst« (»Why Anti-Gringo Winds Often Blow South of the Border«) by Hunter S. Thompson; reprinted by permission of The National Observer, © Dow Jones & Company, Inc. 1963; all rights reserved.
»In Peru stirbt die Demokratie, aber kaum jemand trauert ihr nach« (»Democracy Dies in Peru, But Few Seem to Mourn Its Passing«) by Hunter S. Thompson; reprinted by permission of The National Observer, © Dow Jones & Company, Inc. 1962; all rights reserved.
»Der Inka der Anden: Er spukt in den Ruinen seines einstmals großen Reiches« (»The Inca of the Andes«) by Hunter S. Thompson; reprinted by permission of The National Observer, © Dow Jones & Company, Inc. 1963; all rights reserved.
»Schwatzhafte Briefe während einer Reise von Aruba nach Rio« (»Chatty Letters During a Journey from Aruba to Rio«) by Hunter S. Thompson; reprinted by permission of The National Observer, © Dow Jones & Company, Inc. 1962; all rights reserved.
»Was hat Hemingway nach Ketchum verschlagen?« (»What Lured Hemingway to Ketchum«) by Hunter S. Thompson; reprinted by permission of The National Observer, © Dow Jones & Company, Inc. 1964; all rights reserved.
»Das ›Hashbury‹ ist die Hauptstadt der Hippies« (»The ›Hashbury‹ Is the Capital of the Hippies«) by Hunter S. Thompson, copyright © 1967 by Hunter S.Thompson; reprinted by permission of The New York Times.
»Als die Beatniks zur gesellschaftlichen Prominenz zählten« (»When the Beatniks Were Social Lions«) by Hunter S.Thompson; reprinted by permission of The National Observer, © Dow Jones & Company, Inc. 1964; all rights reserved.
»Die Todesfee schreit nach Büffelfleisch« (»The Banshee Screams for Buffalo Meat«) by Hunter S.Thompson, copyright © 1977 by Hunter S.Thompson; originally published in Rolling Stone magazine.
Eine Generation von Schweinen © 1988 Generation of Swine
Songs der Verdammten © 1990 Songs of the Doomed
Besser als Sex © 1994 Better Than Sex
Der Abdruck der folgenden Auszüge aus Songtexten und Gedichten geschah mit freundlicher Genehmigung:
Eine Generation von Schweinen
»Ein wilder und irrer Typ« (»A Wild and Crazy Guy«): WARNER/ CHAPPELL MUSIC INC.: Excerpt from the lyrics to »It’s All Right Ma (I’m Only Bleeding)« by Bob Dylan. Copyright © 1965 by Warner Bros Inc., used by permission; all rights reserved.
»Das Ende einer Ära« (»The End of an Era«): HOWARD NEMEROV: »The Phoenix« by Howard Nemerov from The Collected Poems of Howard Nemerov, published by The University of Chicago Press, 1977. Reprinted by permission of the author.
Songs der Verdammten
»Prinz Jellyfish« (»Prince Jellyfish«): Extract from »Where Are You Tonight?« written by Michael Timmins © 1990 Paz Junk Music and BMG Songs, Inc., used by permission; all rights reserved.
Die Kunst ist lang, das Leben kurz, und der Erfolg ist weit entfernt.
Joseph Conrad
Na … ja, dann mal wieder los.
Doch bevor wir uns an DAS WERK machen, möchte ich doch erstmal gewiss sein, dass ich mit dieser eleganten Schreibmaschine umgehen kann – (und, ja, scheint so, als könnte ich es) – also warum dann nicht auf die Schnelle mein Lebenswerk auflisten und dann aus dieser Stadt verschwinden, und zwar mit der Maschine um 11 Uhr 5 nach Denver? Ja. Warum eigentlich nicht?
Aber einen Augenblick mal, ich möchte nämlich für die Nachwelt hier festhalten, dass es ein sehr seltsames Gefühl ist, in diesem Jahrhundert ein vierzigjähriger amerikanischer Schreiber zu sein und allein um ein Uhr morgens in der Nacht vor Weihnachten in diesem Riesengebäude an der Fifth Avenue in NewYork zu sitzen, 2000 Meilen von Zuhause entfernt, und ein Inhaltsverzeichnis für ein Buch mit meinen eigenen Gesammelten Werken zu erstellen, in einem Büro mit einer großen Glastür, die auf einen weitläufigen Balkon hinausführt, von dem man hinunter auf den Plaza Fountain blickt.
Sehr seltsam.
Ich habe das Gefühl, ebenso gut könnte ich hier sitzen und die Worte zurechtzimmern, die ich auf meinem Grabstein haben möchte … und wenn ich fertig bin, dann bleibt mir als einzig passender Abgang der direkte Weg hinunter von diesem verdammten Balkon, hinein in den Brunnen, 28 Stockwerke tiefer und mindestens 200 Meter durch die Luft über die Fifth Avenue hinüber.
Das würde mir niemand nachmachen.
Nicht mal ich selbst … und in der Tat kann ich mit dieser unheimlichen Situation überhaupt nur fertig werden, indem ich ganz bewusst die Entscheidung fälle, dass ich schon einmal gelebt habe und dass dieses Leben, welches ich zu leben geplant hatte, abgeschlossen ist – (es ist sogar dreizehn Jahre länger geworden) –, und von jetzt an wird alles ein Neues Leben sein, etwas anderes, ein Auftritt, der heute Abend endet und morgen früh beginnt.
Wenn ich mich also für den Sprung in den Brunnen entscheide, nachdem ich diese Anmerkungen beendet habe, möchte ich, dass eins absolut klar ist – ich würde den Sprung wahrhaft gerne machen, und wenn ich es nicht tue, werde ich es immer für einen Fehler halten und eine verpasste Gelegenheit, einen der wenigen schweren Fehler meines Ersten Lebens, das jetzt endet.
Aber was, zum Teufel, soll’s? Ich werde es wahrscheinlich nicht tun (aus lauter falschen Gründen), und ich werde dieses Inhaltsverzeichnis fertigstellen und Weihnachten zu Hause verbringen und noch mal hundert Jahre mit diesem gottverdammten Kauderwelsch leben, das ich zusammenschwätze.
Aber, Gott noch mal, es wär schon ein wunderbarer Weg abzutreten – und wenn ich’s mache, dann schuldet ihr Hundesöhne mir einen mörderischen 44-Kanonen-Sarut (es muss »Salut« heißen, verdammt noch mal – und es kommt mir so vor, als könnte ich mit dieser eleganten Schreibmaschine doch nicht so gut umgehen, wie ich dachte) …
Aber ihr wisst, dass ich könnte, wenn ich nur ein bisschen mehr Zeit hätte.
Stimmt’s?
Ja.
HST #1, R. I. P. 23/12/77