Dr. Jürgen Fischer ist geschäftsführender Gesellschafter des IfU – Institut für Unternehmenskultur. Er berät seit über 20 Jahren Unternehmen, ist Spezialist für die Entwicklung von Unternehmenskulturen, Coach und Trainer für Führungskräfte mit einem Fokus auf die Reduktion organisationaler Distanzen sowie die Förderung von Eigenverantwortung in Unternehmen.

Ebenfalls vom Autor erschienen: Distanzen in Unternehmen überwinden. 5 Strategien für Führungskräfte. BoD 2021

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https://ifu-aachen.de/ueberdasifu/geschaeftsleitung/

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

© 2021 Jürgen Fischer

Lektorat: Imke Rötger, Agentur & Dienste für Autor*innen und Verlage Korrektur und Umschlaggestaltung: Textagentur Geppert/Chris Langohr Design

Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN 978-3-753-46990-4

Inhalt

Darum geht es

Dieses Buch ist Aufschrei und Appell zugleich. Ich möchte Sie aufrütteln und dazu beitragen, dass Sie sich endlich wehren. Sie als Mitarbeiter, denn Sie sind angeblich ständig unmotiviert und dauernd unzufrieden. Sie leisten nichts, sondern verursachen einen volkswirtschaftlichen Schaden. Sie als Führungskraft, denn an Ihnen liegt das ganze Desaster mit den vielen unzufriedenen und demotivierten Mitarbeitern in Deutschland. Sie als Top-Manager, denn von Unternehmensführung haben Sie bei dem erbärmlichen Zustand der Belegschaft in deutschen Unternehmen überhaupt keine Ahnung. Sie als Gewerkschaftler und Personalvertreter, die Sie im Dauerkampf gegen die schlimmen Arbeitgeber ihre eigenen Leistungen für die guten Arbeitsbedingungen nicht mehr erkennen und wertschätzen. Sie als Presse-Mensch, die Sie ständig die unsinnigen Ergebnisse neuer unsinniger Studien über unzufriedene und demotivierte Mitarbeiter in deutschen Unternehmen verbreiten.

Sie alle zählen zum Volk der Nichtsnutze. Wobei es, nebenbei gesagt, in Österreich und der Schweiz und überhaupt nirgendwo anders zugeht.

Und Sie alle lassen sich seit Jahren diese Vorwürfe und Beleidigungen gefallen. Man wirft uns alle in den Topf der Unmotivierten und Unzufriedenen, Deckel drauf und fertig. Lassen Sie uns diesen Unsinn gemeinsam beenden.

Das ist wichtig für uns alle. Kommunikation schafft Realität und negative Kommunikation schafft negative Realität. Positiv lebt es sich besser.

Seit Jahrzehnten wird – auf der Basis irgendwelcher Studien – immer wieder behauptet, die Arbeitnehmer in Deutschland seien unzufrieden, nicht engagiert und völlig unmotiviert. Als Hauptursache für dieses Desaster werden ebenfalls mit großer Regelmäßigkeit die bösen und schlimmen Führungskräfte benannt. Der Haufen an vermeintlich wissenschaftlichen Studien, die zu diesen Ergebnissen kommen, muss mittlerweile bis zum Mond reichen. Es gibt sogar die sogenannte Theorie X, nach der Menschen von Natur aus faul sind und versuchen, der Arbeit möglichst aus dem Weg zu gehen, daher müssten sie zum Arbeiten gezwungen werden.1

Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich beruflich mit Unternehmenskultur und insbesondere mit der Zufriedenheit und dem Engagement von Mitarbeitern. Seit über 20 Jahren weiß ich, dass Arbeitnehmer in Deutschland nicht unzufrieden, sondern ganz im Gegenteil überwiegend sehr zufrieden mit ihrem Arbeitgeber und auch ihren Führungskräften sind. Und der Großteil der Mitarbeiter ist nicht unmotiviert, sondern äußerst engagiert und mit viel Elan bei der Arbeit. Wir sind sehr fleißig!

Seit Jahren ertrage ich die vielen Falschmeldungen, mein Puls schnellt trotzdem immer noch nach oben, wenn einmal wieder völlig falsche Behauptungen ihren Weg in die Presse gefunden haben. In mir scheint sich in dieser Zeit sukzessiv ein Aggressionspotenzial angestaut zu haben und jetzt ist dieses Fass übergelaufen. Es reicht und es ist an der Zeit, meinem Unmut über diesen Unsinn vom unzufriedenen, nicht engagierten Arbeitnehmer Luft zu verschaffen.

Ich werde zahlreiche Beispiele für die Falschbehauptung, dass Arbeitnehmer unzufrieden und unmotiviert sind, bringen und den Unsinn widerlegen beziehungsweise völlig zerlegen. Ich werde den Nachweis erbringen, dass Arbeitnehmer in Deutschland nicht nur sehr zufrieden und sehr motiviert sind, sondern sogar gerne arbeiten!

Für wen ist das Buch? Unzufriedene, nicht engagierte und unmotivierte Menschen sollten bitte die Finger von diesem Buch lassen. Sie möchte ich ausdrücklich nicht als Leser! Das schränkt die Zielgruppe meines Buches glücklicherweise kaum ein.

Alle anderen, die zumindest halbwegs gerne arbeiten, ob in leitender Funktion oder als Angestellte ohne Führungsverantwortung, fordere ich auf, sich endlich zur Wehr zu setzen.

Ihr Topmanager solltet ebenfalls mitmachen. Lasst Euch die Butter nicht vom Brot nehmen. Die Arbeitszufriedenheit in Deutschland ist hoch und dazu habt ihr beigetragen.

Auch ihr Gewerkschaftler und Betriebs-/Personalräte habt euren Beitrag dazu geleistet.

Ihr Presseleute dürft auch mitmachen. Ihr müsst nicht nur über das Negative und die Katastrophen und noch dazu über vermeintlich Negatives berichten. Wir Menschen wollen ausdrücklich auch das Positive hören, wertschätzen und uns dessen erfreuen.

Empören Sie sich, stellen Sie sich diesen falschen Behauptungen entgegen, laut und mit Inbrunst und bei jeder sich bietenden Gelegenheit! Denn diese Falschberichte über unzufriedene und nicht engagierte Arbeitnehmer in Deutschland ziehen uns herunter. Angeblich wissenschaftliche Studien befeuern Unzufriedenheit, das schadet unserem Bruttoinlandsprodukt, unserer Gesellschaft, unseren Unternehmen, unseren hoch engagierten Mitarbeitern und damit uns allen.

Berichte dagegen, die unsere positive Haltung widerspiegeln, fördern unsere Motivation, Zufriedenheit und Zuversicht.

Ich liefere Ihnen die Fakten, die Sie brauchen. Und Sie sorgen mit mir gemeinsam dafür, dass Zufriedenheit, positive Grundeinstellung, Zuversicht und Engagement mehr Lautstärke erfahren und die vermeintliche Unzufriedenheit übertönen.

Zuerst nehme ich die Mutmaßungen über die scheinbare Unzufriedenheit unter die Lupe, dann fällt der Berg der angeblich Unzufriedenen in sich zusammen und schließlich sind Sie, sind wir alle an der Reihe: Ich offeriere konkrete Tipps und Angriffsstrategien für den Kampf gegen die wenigen Unzufriedenen.

Nehmen Sie gerne Kontakt zu mir auf, um mir Rückmeldungen, Kritik, Anerkennung oder Ihre Erfahrungen in Ihrem Kampf gegen die seltenen Unzufriedenen und gegen den Unsinn von unmotivierten und unzufriedenen Arbeitnehmern mitzuteilen oder offen gebliebene Fragen zu stellen. Schreiben Sie mir: fischer@ifu-aachen.de

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre.

Dr. Jürgen Fischer

Falsche Grundannahme:
„Ich muss arbeiten und das ist doof.“

Warum arbeiten Sie? „Weil ich muss, irgendwie muss man doch Geld verdienen“, mögen viele auf diese Frage antworten. Und wenn man etwas machen muss, dann finden die meisten Menschen das doof. So sind wir programmiert.

Viele finden es doof, jeden Tag etwas machen zu müssen; insbesondere, wenn man es nicht gerne macht. Dann hätte man lieber den ganzen Tag frei. Spaß macht Arbeit erst, wenn man sie gerne und deshalb freiwillig verrichtet, wenn man sich aus freiem Willen für seinen Job und das Unternehmen entschieden hat.

Machen Sie kurz einen geistigen Rundgang durch Ihre Abteilung, durch das Unternehmen, in dem Sie arbeiten. Lassen Sie Kollegen, Freunde und Bekannte an Ihrem inneren Auge vorbeiziehen. Halten Sie inne. Da sind unter Garantie einige dabei, die nicht gerne arbeiten, oder?

Die so genannten Gallup-Studien beschäftigen sich – nach eigenen Angaben des Instituts „wissenschaftlich“ – mit unengagierten und frustrierten Mitarbeitern in Deutschland. Laut diesen Studien machen circa zwei Drittel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Dienst nach Vorschrift und knappe 20 Prozent haben bereits innerlich gekündigt.2 In der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 31.03.2014 steht: „84 Prozent leisten höchstens Dienst nach Vorschrift“ und darunter „Unmotiviert bis zur inneren Kündigung“.3 Es ist dabei völlig egal, dass ich hier aus dem Jahr 2014 zitiere. 2019 berichtet beispielsweise die Personalwirtschaft online über die aktuelle Gallup-Studie ganz ähnliche Zahlen: „Jeder sechste Mitarbeiter hat innerlich gekündigt.“ „Gut zwei Drittel und damit die Mehrheit (69 Prozent) fühlen sich nur wenig gebunden und machen Dienst nach Vorschrift. Die restlichen 16 Prozent und damit fast sechs Millionen Beschäftigte haben gar keine emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen und haben bereits innerlich gekündigt.“4

An den Zahlen und Grundaussagen hat sich, wie Sie im Folgenden noch sehen werden, in den vergangenen 20 Jahren kaum etwas verändert: Arbeitnehmer in Deutschland sind unmotiviert und der Großteil hat innerlich gekündigt – so die immer wieder propagierte Behauptung.

Und damit gerate ich immer wieder in mein Dilemma: Rege ich mich auf oder nicht? Zunächst hatte ich mir verordnet, mich nicht aufzuregen, es beim berühmten „Om“ zu belassen. Nachdem ich aber nun jahrelang mit diesem Unsinn konfrontiert werde, habe ich beschlossen, mich jetzt doch aufzuregen. Und wenn ich mich schon aufrege, dann möchte ich das auch richtig machen, also mit Inbrunst, mit Leidenschaft und erhöhtem Puls! Es wird Zeit, ein paar Dinge über die Arbeitnehmer in Deutschland richtigzustellen und dem geballten Unsinn entgegenzutreten. Für diesen Kampf greife ich insbesondere auf die jährlich erscheinenden Studienergebnisse zum Engagement Index der renommierten Gallup Inc. beziehungsweise ihres deutschen Ablegers der Gallup GmbH zurück.

Gallup Inc. ist eines der weltweit führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitute mit Stammsitz in den USA. Gallup führt schon fast ein ganzes Jahrhundert Meinungsumfragen durch. Seinen Namen hat das Unternehmen von seinem Gründer, George Gallup.

Laut eigenen Angaben bietet das Unternehmen die „Nr. 1“ aller Umfragen zur Mitarbeiterbindung an. „Gallup's Q12 employee engagement survey questions and resources are the most effective way to create a stronger, more engaged workplace.” „We know more about the will of employees, customers, students and citizens than anyone in the world.“ 5 „Gallup has studied millions of managers and organizations worldwide.“ 6 Daher kann uns das Unternehmen aufzeigen, wie man eine stärkenbasierte Unternehmenskultur kreiert.7 Soweit ein paar Auszüge aus der Selbstdarstellung des Instituts. Die Gallups kommen aus den USA und da ist halt alles irgendwie „Great!“, auch der Unsinn, der verbreitet wird.

Da Gallup noch nicht mit allen Unternehmen dieser Erde zusammenarbeitet und erst seit Anfang der 2000er Jahre mit dem so genannten Gallup Engagement Index auf dem deutschen Markt tätig ist, ist es ihnen noch nicht gelungen, überall eine ausgeprägte Engagement-Kultur zu schaffen. Eventuell ist bei Ihnen im Unternehmen auch noch nichts davon spürbar. Bei uns in Deutschland machen schließlich angeblich fast alle Dienst nach Vorschrift und weil das so ist, entstand der deutschen Volkswirtschaft schon zu Beginn dieses Jahrtausends ein Schaden von mehreren Milliarden Euro – pro Jahr! Das sagen zumindest die von Gallup8 und das halte ich für Unsinn, groben Unsinn.

Gallup propagiert in seiner Pressemitteilung zur Engagement-Studie 2015 für Deutschland jährliche Produktivitätseinbußen zwischen 76 und 99 Milliarden Euro.9 Die nehmen es mit den Zahlen nicht so genau, was machen schon 23 Milliarden rauf oder runter, außer vielleicht der Tatsache, dass dieser Kleckerbetrag die Renten in Deutschland vermutlich einige Jahre sichern würde.

Die Gallup-Zahlen hören sich logisch an, schließlich wird bei uns gejammert und gewehklagt, was das Zeug hält. Zum Arbeiten bleibt da keine Zeit mehr, also fällt die Produktivität des gesamten Landes ins Bodenlose. Die Verbreitung dieser unsinnigen Zahlen und Schlüsse, die daraus gezogen werden, fordert mich Jahr für Jahr wieder heraus, das alles ins richtige Licht zu rücken und den Unsinn zu entlarven. Nun ist es soweit.

Aber Unzufriedenheit ist laut, überall zu hören und sie nimmt einen enormen Raum ein.

Die Unzufriedenen sind lauter