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Nachdem der Selbstversuch ihrer Familie, ganz ohne Plastik auszukommen, Sandra Krautwaschls Leben grundlegend verändert hatte, erkannte sie: Einfach Plastik durch andere Materialien zu ersetzen kann nicht die Lösung sein. Sie fand zu einem praktischen Minimalismus, einem Lebensstil mit möglichst wenig Verschwendung, der auch für Familien umsetzbar ist und den sie als zutiefst bereichernd und befreiend empfindet. Jetzt gibt die Grünen-Politikerin Tipps und Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen. Von einer, die ihre Überzeugungen lebt, ohne großes Aufhebens darum zu machen: eine Inspiration für Engagement – zuhause und in der Öffentlichkeit.

Sandra Krautwaschl

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Wie meine Familie es schafft,
sich vom Zuviel zu befreien

WILHELM HEYNE VERLAG
MÜNCHEN

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Originalausgabe 01/2020

Copyright © 2020 by Wilhelm Heyne Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München

Redaktion: Katy Albrecht

Umschlaggestaltung: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich

Umschlagfotos: Susanne Krauss / Heyne Verlag

Satz: Schaber Datentechnik, Austria

ISBN: 978-3-641-25196-3
V001

www.heyne.de

Inhalt

Einleitung: Was wir wirklich brauchen

Teil I: Fragestellungen

Vorgeschichte: Wie wir plastikfrei wurden

Warum ausgerechnet wir?

Ist plastikfrei wirklich genug?

Was ist eigentlich Wohlstand?

Wo fängt Verschwendung an?

Teil II: Experimente

Mobilität: ein halbes Auto und der Weniger-ist-mehr-Urlaub

Unser Umgang mit Lebensmitteln wird auf die Probe gestellt

Unser Konsumverhalten verändert sich

Verpackungs-Bewusstsein

Lebensmittel retten oder warum unser Kühlschrank immer halb voll ist

Von Wegwerfshirts und nachhaltiger Kleidung

Teil III: Lösungen

Es geht schon lange nicht mehr »nur« um Plastik

Refuse – Mit Spaß zum Verzicht

Lebensmittel wieder schätzen lernen

Von der Ökobilanz eines Schüleraustausches

Digitale Medien

Warum Ausmisten guttut

Upcycling und Reparieren gehen Hand in Hand

Neue Läden im Land

Ein kleines Resümee und eine große Vision

Verantwortung übernehmen

Nachwort

Danke!

Glossar: Begriffsdefinition in alphabetischer Reihenfolge

Zusätzliche Informationen

Bildteil

Einleitung: Was wir wirklich brauchen

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Buch ist kein Ratgeber! Dieses Buch sollte eigentlich gar nicht notwendig sein. Dieses Buch soll die Geschichte einer ganz normalen Familie erzählen. Einer Familie, die alles hat, was sie braucht, und eigentlich noch viel mehr. Einer Familie, die sich bemüht, ein gutes Leben zu führen und sich das auch für alle anderen Familien wünscht. Die Geschichte meiner Familie.

Die im Untertitel enthaltene Feststellung, dass meine Familie es schafft, sich vom »Zuviel zu befreien«, ist jedenfalls sehr subjektiv zu verstehen. Denn, was zu viel und was zu wenig ist, unterliegt natürlich immer einer sehr persönlichen Einschätzung. Doch was wir definitiv geschafft haben, ist die Verschwendung in unserem Einflussbereich zu reduzieren – und die wichtigste Folge dieses Prozesses, der nunmehr seit dem Jahr 2009 andauert, ist wohl, dass sich jedes Familienmitglied mittlerweile auch auf seine ganz individuelle Art für notwendige Veränderungen engagiert. Dieses Buch soll vor allem dazu anregen, in sich hineinzuspüren. Sich selbst zu fragen, was ein gutes Leben ausmacht.

Mit diesem Buch möchte ich Sie dazu ermuntern, selbst etwas auszuprobieren, Überflüssiges wegzulassen und das, was wirklich wichtig ist, zumindest wahrzunehmen. Und im besten Fall, soll es dazu motivieren, sich für die Rettung der Welt und die Zukunft unserer Kinder zu engagieren. Ja, so pathetisch das auch klingt, genau das ist eigentlich das Ziel dieses Buches. Denn ich gehe davon aus, dass alle, die es lesen, auch die Möglichkeit haben, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen! Den wahren Preis nämlich – wenn wir im Klimaschutz weiterhin auf Scheuklappen setzen – werden nicht wir bezahlen. Sondern unsere Kinder durch den Verlust ihrer Lebensgrundlagen und damit durch den Verlust dessen, was man im besten Sinne Wohlstand nennt!

Wer Verschwendung auf der persönlichen Ebene reduzieren will, sollte sich zu allererst fragen: »Was brauche ich eigentlich wirklich?«

Ich habe mich das schon sehr oft gefragt. Ich habe es auch schon oft gespürt. Und immer wieder auch sehr vermisst, denn auch ich kenne die typischen Belohnungseinkäufe nach Tagen, in denen ich mich keine Sekunde selbst gespürt habe, keinen Atemzug lang Zeit hatte, mich überhaupt damit zu beschäftigen, was mir gerade guttun würde. Und das ist wohl auch das Dilemma: Man bräuchte wahrscheinlich oft in erster Linie mehr Zeit, Ruhe und einen freien Kopf. Wenn man das nicht bekommt, versucht man, es mit Dingen, die man eigentlich gar nicht braucht, zu kompensieren. Das hilft aber natürlich auf die Dauer nicht. Instinktiv wissen die meisten von uns ja doch, dass man sich ein gutes Leben nicht mit der Anhäufung von Überfluss erkaufen kann. Die Frage, was wir wirklich brauchen, lässt sich jedenfalls nach Abdeckung der tatsächlichen Grundbedürfnisse beantworten, nicht durch Einkaufen und Konsum.

Wenn man – so wie ich gerade in diesem Sommer wieder – das Glück hat, ein paar Wochen lang zu erleben, wie wenig Dinge man braucht, wenn man Zeit in der Natur und mit Menschen, die man mag, verbringen kann, dann hat das beinahe etwas Heilsames. Mit dem Weniger an Dingen kommt ein Mehr an Ruhe, Gelassenheit, Zufriedenheit, Dankbarkeit.

Mit dem einfachen Leben am Campingplatz in Kroatien, der Schönheit des Meeres, dem Staunen über all die Tintenfische, Muscheln, Krabben, Seesterne, Seeanemonen entdecke ich jedes Jahr wieder diese kindliche Achtsamkeit mit der Natur, von der ich und wir alle ja schließlich nur ein Teil sind. Jeder kleine Plastikverschluss, jeder vergessene Badeschuh, Schnorchel, jede kaputte und einfach liegen gelassene Luftmatratze, jede Plastikflasche, jedes noch so kleine Stück unnötiger Müll inmitten dieser Schönheit tut mir in der Seele weh. Ich habe das Gefühl, mich dafür entschuldigen zu müssen, und sammle zusammen, was möglich ist, weil auch das für mich etwas Heilsames hat. Und ich weiß in solchen Momenten ganz genau, dass ich weiter mit all meiner Kraft dafür eintreten werde, dieses Zuviel zu stoppen.

Man sollte sich die Frage, was man wirklich braucht, immer mal wieder stellen und sich auf der Suche nach Antworten Zeit nehmen, in die Natur zu gehen, mit Menschen, die einem guttun, darüber zu reden, sich selbst zu spüren.

Auch wenn die Antworten auf diese Frage natürlich individuell sehr unterschiedlich ausfallen werden, steht eines jedenfalls für mich fest (und bisher hat mir da noch nie jemand widersprochen): Ein gutes Leben braucht keine Verschwendung!

Was ich selbst schon als Kind und dann wieder durch meine eigenen Kinder gelernt habe, ist die Wertschätzung für Essen, Kleidung, Wohnraum, Mobilität, Geräte. Und wohl das wichtigste: die Wertschätzung für andere Menschen und die Natur. Diese Wertschätzung hilft mir persönlich ungemein, ein Gefühl von »genug« zu entwickeln und zu spüren, was zu viel ist. Es tut unglaublich gut, die Leichtigkeit zu spüren, die sich in Momenten einstellt, wo man genug hat. Wo man wahrnimmt, dass es reicht, nicht zu viel, nicht zu wenig – es passt einfach! Je mehr ich mich damit beschäftigt und je öfter ich das erlebt habe, desto klarer wurde mir auch, dass das Zuviel eine wirkliche Belastung sein kann. Und zwar auch ganz unabhängig von allen ökologischen und sozialen Folgen – einfach nur für einen selbst!

Denn Zuviel ist eben mehr, als wir brauchen, und damit auch ein Zeichen von Mangel. Zu viel ist nicht nur mehr als genug, sondern ein Mangel an richtigem Maß!

Vielleicht geht es also auch einfach darum, das richtige Maß zu finden. Oder jedenfalls darüber nachzudenken, zu diskutieren und infrage zu stellen, was im Moment noch als selbstverständlich gilt. Und das gilt wohlgemerkt für die Einzelnen wie für die Politik.

Es war schon für mein erstes Buch entscheidend, und ich möchte es an dieser Stelle noch einmal bestärken:

Wovon es meines Erachtens nie zu viel geben kann, ist menschlicher Zusammenhalt, Unterstützung und gemeinsame Ziele und Visionen. Es sind die vielen Freundschaften und Beziehungen, die durch persönliches Engagement entstehen, dadurch, dass man sich mit anderen zusammentut, gemeinsam für eine Sache eintritt, etwas tut, was einem wichtig ist. Egal ob in meinem Blasmusikverein, im Fußballverein der Kinder, bei verschiedenen Initiativen, bei meinen Vorträgen oder in der Politik, ich habe solche Menschen überall kennengelernt. Neben der Natur war und ist das meine größte Kraftquelle. Und aus beidem zusammen schöpfe ich das, wovon in diesem Buch oft die Rede sein wird und was ich für unerlässlich halte, wenn wir diese Welt zum Besseren verändern wollen: Mut, Zuversicht und Engagement!