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Richard Wright (1908-1960) ist bis heute einer der einflussreichsten afroamerikanischen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören der Roman Sohn dieses Landes (2019 bei Kein & Aber erschienen), die Memoiren Black Boy (American Hunger) und die Kurzgeschichtensammlung Uncle Tom’s Children. Wright befasst sich in seinem eindringlichen Schreiben hauptsächlich mit dem Thema Rassismus, sein Werk trug dazu bei, die Beziehung zwischen Weißen und Schwarzen Mitte des 20. Jahrhunderts neu zu definieren.
USA der 1940er Jahre, Samstagabend. Der schwarze Arbeiter Fred Daniels ist mit seinem Lohn in der Tasche auf dem Weg nach Hause zu seiner hochschwangeren Frau. Unvermittelt strahlt ihm das Licht einer Taschenlampe ins Gesicht. Bevor er weiß, wie ihm geschieht, wird Fred von drei Polizisten verhaftet. Er hält alles für ein Missverständnis, doch schnell wird die Angelegenheit bitterer Ernst. Die Anklage lautet: Vergewaltigung und Doppelmord an den weißen Nachbarn seines Arbeitgebers. Plötzlich befindet sich Fred in einem Albtraum aus Drohungen, Schlägen und psychischer Gewalt. So bleibt ihm nur die Flucht in den Untergrund - in das dunkle, kalte und feuchte Labyrinth der Kanalisation. Wright fängt mit Fred Daniels das Menschliche im Unmenschlichen und den Gerechtigkeitssinn in der größten Ungerechtigkeit ein und erschafft mit ihm einen unvergesslichen Charakter.
Einige Leser kennen den Titel dieses Romans vielleicht von einer Erzählung aus Richard Wrights Geschichtensammlung Eight Men. Bevor Der Mann im Untergrund zu dieser Erzählung wurde, war es ein längeres Manuskript, ein Roman, der 2021 zum ersten Mal im Original erschien und hiermit auch auf Deutsch verfügbar ist. Da sie um die Bedeutung und literarische Eigenständigkeit des Romans neben der Erzählung wusste, wandte sich Julia Wright, die ältere Tochter des Autors, an die Verleger der Library of America, in der die ungekürzten Versionen von Sohn dieses Landes (im Original Native Son) und Black Boy (American Hunger) erschienen waren, um zu sehen, ob nicht auch die Langfassung von Der Mann im Untergrund veröffentlicht werden sollte. Es war ihr ein Anliegen, dass der Roman zusammen mit dem Essay Erinnerungen an meine Großmutter erschien, der die Entstehung des Romans beschreibt, so wie es How Bigger Was Born schon für Sohn dieses Landes getan hatte. Es sei der Wunsch ihres Vaters gewesen, beide Werke zusammen herauszubringen.
Der Mann im Untergrund wurde zu einer Zeit geschrieben, als das Lynchen und Zusammenschlagen schwarzer Amerikaner in den Vereinigten Staaten (und zwar nicht nur im Süden) weit genug verbreitet war, um die Jim-Crow-Gesetze und die ungeschriebenen Verhaltensregeln zwischen Schwarzen und Weißen durchzusetzen. Wrights Roman fängt diese Atmosphäre der Angst ein und spiegelt zudem die Besorgnis in Bezug auf die voranschreitenden Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, als das Schicksal der Welt auf der Kippe zu stehen schien. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Wright dazu kam, einen Roman zu schreiben, der, wie er selbst sagte, mehr als alles, was er zuvor geschrieben hat, »reiner Inspiration entsprungen ist«, und wer mehr auch über die vielen anderen Einflüsse erfahren möchte, sei auf den Essay Erinnerungen an meine Großmutter verwiesen, der an den Roman anschließt.