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2026-09-08|vonPocketbook
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Katrin Zipse ist eine großartige Autorin, die mit ganz besonderer Atmosphäre und erstklassigem Schreibstil punktet. Anlässlich ihres ersten Erwachsenenromans – Moosland – durfte ich der Autorin ein paar Fragen stellen. Ihr spannenden Antworten lest ihr hier…

 

Katrin Zipse im Interview 

Liebe Katrin, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, meine Fragen zu deinem neuen Roman Moosland – und auch dem Schreiben allgemein – zu beantworten.

Ich starte immer gerne locker, meine erste Frage an dich lautet also: Was isst und trinkst du am liebsten, während du schreibst?

Kaffee! Unbedingt! Und manchmal Tee. Und am liebsten esse ich Müsli, weil man saubere Finger behält und nicht die Tastatur verschmiert, solange man den vollen Löffel nicht drüber hält und wackelt. 

 

Moosland ist deine erste Veröffentlichung für die erwachsene Leserschaft. Was sind für dich beim Schreiben die größten Unterschiede zur Kinder- und Jugendliteratur gewesen? 

Ich finde, der größte Sprung ist zwischen Kinder- und Jugendliteratur. Ob man für Zehnjährige oder für Fünfzehnjährige schreibt, macht für mich einen großen Unterschied, bezüglich der Wortwahl, der Sprünge in der Geschichte, der Leerstellen und assoziativem Material. Meine Bücher für Jugendliche funktionieren meiner Meinung nach auch für Erwachsene und ich bin mir sicher, dass auch Jugendliche Moosland verstehen, wenn sie es lesen. Vielleicht ist der größte Unterschied zwischen Jugendbuch und einem Roman für Erwachsene, dass ich in meinem „Erwachsenenbuch“ auf subtilere Art Spannung erzeuge und die Geschichte sich langsamer entwickelt. 

 

Du veröffentlichst den Roman im DuMont Buchverlag – auf welchem Weg bist du mit deinem Buch dort gelandet? Was kannst du angehenden Autorinnen und Autoren empfehlen, die sich einen bestimmten Verlag für ihre Veröffentlichung wünschen?

Der Weg ging über meine Agentin, Astrid Poppenhusen. Sie hat sich so toll für Moosland eingesetzt. Das wäre auch mein erster Rat an angehende Autor:innen: sich eine Agentur zu suchen, die dann auch die Verlagssuche übernimmt. Denn das sind Profis, die den Markt überblicken und wissen, wo eine Geschichte am besten hinpasst. Dass man gezielt für einen Verlag schreibt, zu dem man noch keinen Kontakt hat, stelle ich mir sehr riskant vor. Denn selbst, wenn man sich sicher ist, dass das Thema, an dem man sitzt, ins Verlagsprogramm passt, kann es vorkommen, dass ein ähnlicher Titel gerade eingekauft wird, und dann ist das Thema besetzt. Ich würde offener rangehen und mich nicht auf einen Verlag festlegen, denn es gibt so viele gute Verlage im deutschsprachigen Raum.

Und letztendlich ist es, wenn man als Autor:in noch unbekannt ist, immer auch Glücksache, glaube ich: Landet mein Buch bei der Lektorin, dem Lektor, der sich für das Thema begeistert, der den Stil mag, der das Potential darin sieht? Ich hatte so ein Riesenglück mit Sophie Priester!

  

Deine Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Wie bist du auf das Thema aufmerksam geworden und wie war die Recherchearbeit für dich? 

Ich wollte mich zusammen mit einer befreundeten Kollegin für ein Island-Schreibstipendium bewerben und dafür haben wir ein Islandthema gesucht. Über einen Zeitungsartikel im Internet bin ich auf die deutschen Auswandererinnen gestoßen. Das Thema hat mich gleich begeistert, weil ich zu dem Zeitpunkt ehrenamtlich als Hausaufgabenbetreuerin für Geflüchtete gearbeitet habe, und das hat bei mir viele Fragen aufgeworfen, zum Beispiel, ob das überhaupt geht, eine neue Sprache zu lernen, wenn man traumatische Erlebnisse hinter sich hat, ob das nicht eine riesige Überforderung ist oder, je nach Thema der Lektion im Sprachbuch, womöglich auch eine Retraumatisierung. Und meine Freundin fand das Thema auch gleich gut. Wir hatten vor, ein Hörspielprojekt daraus zu machen, weil es eine starke akustische Ebene hat, und haben gemeinsam ein Exposé geschrieben und tatsächlich haben wir das Stipendium bekommen, doch als wir es antreten sollten, war meine Freundin zu krank, um nach Island zu reisen und das Projekt weiterzuverfolgen. Ich bin dann allein nach Skagaströnd gefahren, aber ohne sie wollte ich kein Hörspiel machen, das wäre mir falsch vorgekommen. Deshalb habe ich mich entschieden, es in einem Roman zu verarbeiten. 

 

Besuchst du alle Orte aus deinen Romanen auch selbst? Wie wichtig ist die Recherche vor Ort für dich? 

Ohne die Recherche vor Ort hätte ich Moosland niemals schreiben können. Es ist tatsächlich im Dialog mit der Landschaft entstanden. Ich hätte mir das nicht vorstellen können, wie sich die Natur dort anfühlt, denn sie ist einfach anders, auch wenn man ihr das vielleicht gar nicht gleich ansieht. Zum Beispiel die Grashöcker, die sich aus den Wiesen wölben, so dass man keinen Schritt geradeaus gehen kann (wie Buckelpisten beim Skifahren), oder dass der Untergrund aussieht wie bei uns in den Alpen, aber wenn man drauftritt, sackt man knietief ein. Oder die Nächte, in denen die Sonne nie untergeht. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das ist: Die Sonne sinkt und geht gleichzeitig wieder auf? Ich bin im Juli nach Akureyri gereist und habe dort ganze Nächte durchwacht, um es mir anzusehen. Und genauso wollte ich auch die Tage im Winter erleben, an denen es nie richtig hell wird. Deshalb bin ich zu ganz unterschiedlichen Jahreszeiten nach Island gekommen, viermal insgesamt und immer in den Norden, mit der Coronapause dazwischen, wo man nicht reisen konnte.

(Und um die Frage vollständig zu beantworten: Ja, auch für die anderen Romane habe ich vor Ort recherchiert, für mich gehört das unbedingt zum Schreiben dazu. Für „Glücksdrachenzeit“ war ich z.B. in Avignon und für „Die Quersumme von Liebe“ im Karwendelgebirge.)

 

Der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg hat dir für Moosland ein Stipendium zuerkannt. Wie läuft das ab und wie beeinflusst es deine Arbeit? 

Das ist ein tolles Stipendium für Autor:innen, die in Baden-Württemberg wohnen. Man stellt online einen Antrag beim Förderkreis und reicht sein Projekt anonym ein, in Form eines Exposés und einer Textprobe. Das Stipendium ist kein Aufenthaltsstipendium, sondern ein Arbeitsstipendium, das heißt, man wird mit einem Betrag zwischen 1000,- und 3000,- gefördert. Natürlich habe ich mich sehr über das Geld gefreut, aber der zweite Aspekt war nicht weniger wichtig: Dass das Thema und die Art, wie ich es behandle, die Jury überzeugt hat, war eine sehr beruhigende Rückmeldung, weil ich bis dahin noch kaum jemandem davon erzählt hatte.

 

An Moosland hast du mehrere Jahre geschrieben. Ist das bei allen deinen Büchern der Fall oder war dein Projekt für Erwachsene auch das mit der längsten Schreibdauer? 

Das war das Projekt mit der längsten Schreibdauer! Das lag daran, dass ich lange gebraucht habe, um den richtigen Ton zu finden, weil es ein Roman fast ohne Dialoge ist, und das fiel mir wirklich schwer, weil ich eher vom Dialog komme. Außerdem brauchte ich viel Zeit für die Recherche. Parallel habe ich aber auch noch ein Kinderbuch geschrieben, für das ich gerade auf Verlagssuche bin, und habe viele Hörspielbearbeitungen gemacht. Das war wichtig für mich, weil ich so intensiv an Moosland gearbeitet habe, dass ich mich manchmal darin verloren habe, und es war gut, durch die anderen Projekte etwas Distanz zu gewinnen und wieder in ein flüssigeres Schreiben zu finden. Das Kinderbuch hat einen ganz anderen Ton, das hat mir wirklich geholfen.

 

In einem Artikel habe ich entdeckt, dass du selbst über dich sagst, dass sich durch deine Arbeit beim Radio auch dein Denken und Schreiben verändert hat – während viele Autorinnen und Autoren auf das Sehen eingestellt sind, denkst du akustisch. Hast du Beispiele für uns? 

Zum einen ist es wirklich so, dass mir Dialoge viel leichter fallen als summarische Passagen zum Beispiel. Und ich erfahre die Landschaft immer auch über Töne. Ich weiß, wie sie klingt, und das ist für mich und meine Fantasie beim Schreiben wichtig. Ich habe auch Tonaufnahmen in Island gemacht, schmelzendes Eis und sowas, das hilft mir, um in eine Szene zu kommen. Ich denke sicher auch in Bildern, aber fast gleichzeitig gesellt sich der Ton dazu und gibt noch andere Informationen.

 

In Moosland geht es um das Thema Sprache – bekommt auch hier das Hören durch dich wieder eine besondere Bedeutung?

Ja, auf jeden Fall. Isländisch sieht geschrieben gar nicht so fremd aus, man erkennt manche Wörter und hat das Gefühl, so schwer kann die Sprache eigentlich gar nicht sein. Und dann hört man sie und versteht gar nichts, null, weil die Aussprache ganz anders ist.

Das ist für meine Protagonistin, die nur dieses kleine Isländischwörterbuch, die „Winke“, hat und sich ansonsten ganz aufs Hören verlassen muss, natürlich dann doppelt schwer, die Sprache zu lernen.

 

Du hast auch in deinem Beruf beim Hörfunk viel mit Literatur zu tun. Käme es für dich als freiheitsliebende Autorin jemals in Frage, ein bestimmtes Genre oder auch ein Thema auszuwählen, weil es gerade populär oder besonders erfolgsversprechend ist? 

Nein, das habe ich für mich bisher immer ausgeschlossen. Für mich ist das Schreiben so kostbar und auch so anstrengend, dass ich mich als Autorin nur mit Themen und Genres befassen möchte, die mir wirklich am Herzen liegen. Das Schreiben belegt so viel Lebenszeit und Hirnkapazität, da will ich keine Kompromisse machen. Und ich habe das Glück, dass ich durch meine Arbeit beim Hörfunk finanziell ein zweites Standbein habe. Deshalb kann ich mir das leisten. Wenn ich ganz vom Schreiben leben müsste, müsste ich sicher kompromissbereiter sein.

 

 

Katrin Zipse – E-Books 

 

Katrin Zipses Kinder- und Jugendbücher (nur als Print)

  • Die Quersumme von Liebe
  • Glücksdrachenzeit
  • Antonia rettet die Welt – Papageienparty (Band 1)
  • Antonia rettet die Welt – Schildkrötenküsse (Band 2)
  • Antonia rettet die Welt – Waschbärbingo (Band 3)
  • Pinella Propella

 

Text von Sanni  @sound.of.closing.doors

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